Wann ist der Blutzucker nach einer Mahlzeit am höchsten?

Du möchtest nach einer Mahlzeit deinen Blutzucker messen, aber weißt nicht genau, nach wie vielen Minuten der beste Zeitpunkt zum Messen ist? Der Blutzuckerspiegel steigt nach einer Mahlzeit im Kurvenverlauf an und wird auch als postprandialer Blutzuckerspiegel bezeichnet. Wie hoch der postprandiale Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit ansteigt, zu welchem Zeitpunkt der Blutzucker am höchsten ist und wie sich die Blutzuckerkurve verhält, ist bei jedem Menschen ganz individuell und wird von vielen Faktoren beeinflusst1.

Welche Faktoren beeinflussen den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit?

Einen großen Einfluss auf den postprandialen Blutzuckerspiegel haben vor allem kohlenhydrathaltige Lebensmittel. Der Einfluss von kohlenhydratreichen Lebensmitteln auf den Blutzuckerspiegel wird durch den glykämischen Index beschrieben. Dabei zeigt der glykämische Index an, wie schnell die Kohlenhydrate vom Körper verdaut und vom Verdauungssystem aufgenommen werden und damit eine Blutzuckerreaktion hervorrufen2.  Lebensmittel die aus komplexen Kohlenhydraten bestehen, weisen durch ihre langsamere Verdauung in der Regel einen niedrigeren glykämischen Index auf als zum Beispiel Lebensmittel, die aus Weißmehlprodukten hergestellt werden und führen somit zu niedrigeren postprandialen Blutzuckerreaktionen.

Beinhaltet eine Mahlzeit viele ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse und Hülsenfrüchte, führt dies in der Regel ebenfalls zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckers nach einer Mahlzeit3. Auch die Reihenfolge einer Mahlzeit kann den Blutzucker beeinflussen. Wird zuerst das Gemüse zum Beispiel in Form eines Vorspeisensalat oder einer Rohkostplatte und im Anschluss die kohlenhydrathaltigen Lebensmittel verzehrt, kommt es zu einem geringeren postprandialen Anstieg des Blutzuckers4. Zudem gibt es immer mehr Hinweise, dass das Weglassen des Frühstücks zu einem höheren Anstieg des Blutzuckers nach dem Mittagessen führt. Der moderatere Blutzuckeranstieg nach dem Mittagessen kann auch auf ein Frühstück zurückgeführt werden. Dieses Phänomen ist auch als „Second-Meal-Effekt“ bekannt5,6. Weitere Lebensstilfaktoren wie die Schlafdauer und -qualität7, zu viel Stress und Bewegungsmangel haben ebenfalls einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel8,9. Jedoch auch individuelle Faktoren wie die Zusammensetzung unseres Darmmikrobioms oder nicht beeinflussbare Faktoren wie unsere Gene wirken auf unseren postprandialen Blutzucker1.

Warum sollten wir hohe Blutzuckerspitzen vermeiden?

Hohe Blutzuckerwerte können auf langer Sicht zu Diabetes Folgeerkrankungen wie kardiovaskuläre Erkrankungen führen. Zudem wird angenommen, dass immer wiederkehrende erhöhte Blutzuckerwerte zu Schäden an mehreren Organsystemen und dem Gefäßsystem führen können, wodurch letztendlich das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen steigen kann10. Die Kontrolle von hohen postprandialen Blutzuckerwerten kann daher zur Prävention und Management von kardiovaskulären Komplikationen bei Diabetes beitragen11. Des weiteren konnten Studien herausfinden, dass ein stabiler Blutzucker mit einem reduzierten Hungergefühl und einer verbesserten mentalen Gesundheit und Schlafqualität im Zusammenhang steht12. Mithilfe der Regulierung des postprandialen Blutzuckerwertes kann zudem der Langzeitblutzuckerwert, auch bekannt als HbA1c, reduziert werden13. Die Reduktion des HbA1cs ist ein therapeutisches Ziel bei Diabetes mellitus Typ 2, um das Fortschreiten der Erkrankung zu reduzieren und so vor Therapieeskelation zu schützen14.

Diese Tricks helfen dir hohe Blutzuckerspitzen zu vermeiden

  • Gestalte deinen Teller möglichst bunt mit frischem Gemüse und Hülsenfrüchten.
  • Esse, wenn möglich, zuerst das Gemüse, dann die Proteine und zum Schluss die Kohlenhydrate.
  • Falls es dir schwer fällt auf eine Süßigkeit zu verzichten, genieße sie am besten direkt nach einer Mahlzeit.
  • Verwende möglichst Vollkornprodukte wie Vollkornnudeln anstatt klassischer Nudeln aus weißem Mehl.
  • Achte auch zum Beispiel bei Brot auf verstecktem Zucker in der Zutatenliste.
  • Gehe nach einer Mahlzeit 20 bis 30 Minuten spazieren. Umso weniger Zeit zwischen der Mahlzeit und dem Spaziergang liegt, umso größer ist die Wirkung15.
  • Nimm dir morgens Zeit für ein Frühstück, um hohe Blutzuckerspitzen nach dem Mittagessen zu vermeiden.
  •  Achte auf ausreichend Schlaf und versuche deinen Stresspegel zu reduzieren.
  • Setze dich nicht zu sehr unter Druck. Du musst nicht jeden Punkt perfekt umsetzen. Auch kleine Änderungen können den Blutzucker schon weniger ansteigen lassen.

Wie der Blutzucker richtig gemessen wird

Das selbstständige Messen des Blutzuckers oder auch die kontinuierliche Messung des Gewebezuckers mittels eines Sensors im Oberarm ist eine gute Möglichkeit, als Person mit Diabetes den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und einen stabilen Blutzuckerspiegel aktiv mitzugestalten. Wichtig ist jedoch, dass der Langzeit-Blutzucker regelmäßig auch von einer Ärztin oder einem Arzt kontrolliert wird16. Wann der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit am höchsten ist, ist individuell. In der Regel ist er jedoch nach ein bis zwei Stunden am höchsten. Daher wird eine Blutzuckermessung nach eineinhalb Stunden empfohlen17

Möchtest du deinen Blutzucker über einen Blutstropfen an deiner Fingerbeere messen, kannst du wie folgt vorgehen:

  1. Am besten legst du dir alle Utensilien inklusive des Messgerätes, Teststreifen, Stechhilfe und Tupfer zu Beginn bereit.
  2. Wasche deine Hände gründlich mit Seife und warmen Wasser. Durch das warme Wasser werden deine Hände schon einmal aufgewärmt und damit die Durchblutung angeregt, sodass du es einfacher hast, einen Blutstropfen zu entnehmen.
  3. Trockne deine Hände gründlich ab, damit der Blutstropfen nicht verdünnt wird.
  4. Nach Einlegung einer neuen Lanzette kannst du nun seitlich in die Fingerbeere deines Mittel-, Ring-, oder kleinen Fingers piksen. Achte dabei darauf, dass du die Einstichstelle regelmäßig wechselst.
  5. Nun kannst du einen Blutstropfen aus deiner Fingerbeere drücken. Achte darauf, dass du nicht zu feste drückst, um das Testergebnis nicht zu verfälschen.
  6. Jetzt kannst du mit dem Teststreifen den Blutstropfen einsaugen. Dabei ist für eine genaue Messung wichtig, dass du mit dem Teststreifen genügend Blut aufnimmst.
  7. Nach wenigen Sekunden sollte dir nun dein Blutzucker auf dem Messgerät angezeigt werden. Falls dein Gerät den Wert nicht speichert, kannst du dir deinen Blutzuckerwert in ein Tagebuch notieren16.
Blutzucker messen. Person pikst sich mit Blutzuckermessgerät in die Fingerbeere.

Durch die kontinuierliche Messung mittels eines Glukosesensors, zum Beispiel am Oberarm, erfolgt die Messung des Zuckerwertes automatisch16. Du musst dir also nicht nach jeder Mahlzeit in den Finger piksen, um herauszufinden wie stark dein Blutzucker nach einer bestimmten Mahlzeit ansteigt, und verpasst auch nicht den Zeitpunkt, an dem der Blutzucker am höchsten ist. Dazu wird über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen ein Glukosesensor am Oberarm getragen. Dieser misst den Zucker aus dem Gewebe und ist zehn Minuten zeitverzögert zu der Selbstmessung aus dem Blut. Nur einem kleinen Teil der Betroffenen mit Diabetes Typ 2 steht bisher ein Glukosesensor zur Verfügung und wird von der Krankenkasse erstattet. Mit der Diabetes-App glucura erhältst du eine personalisierte Lebensstiltherapie über 3 Monate zu der du einen Glukosesensor kostenfrei dazu bekommst. So kannst du in der Diabetes-App deinen Blutzucker verfolgen und erhältst individuelle Mahlzeiten-Feedbacks. Mehr dazu in unserem Blogartikel „Wie funktioniert die Diabetes-App glucura“ oder in unserem Webinar wo wir all deine Fragen beantworten.

Mit glucura hast du deinen Blutzucker immer im Blick

Mit der Diabetes-App glucura kannst du ganz einfach herausfinden, welche Mahlzeiten bei dir hohe Blutzuckerspitzen auslösen. Dazu bekommst du einen Glukosesensor, der kontinuierlich deinen Glukosewert misst. Du musst also nicht selbst abschätzen, wann der richtige Zeitpunkt zum Messen deines Blutzuckers ist und das ständige Piksen in den Finger entfällt. Während der zehntägigen Sensorphase kannst du verschiedene Mahlzeiten ausprobieren. Parallel dazu kannst du in die App deine Mahlzeiten, aber auch Aktivitäten, eintragen. In der Diabetes-App erhältst du dann eine Bewertung der jeweiligen Mahlzeiten und erfährst, welche Mahlzeiten bei dir zu hohen oder niedrigeren postprandialen Blutzuckerspitzen führen. Zudem kannst du mit der App herausfinden, welche Tricks dir helfen können, den Blutzucker stabil zu halten. Zum Beispiel kannst du testen, ob ein Spaziergang nach einer Mahlzeit eine hohe Blutzuckerspitze vermeidet. In der anschließenden Experimentierphase mit verschiedenen Wochenzielen wirst du Schritt für Schritt dabei unterstützt, deine individuellen Anpassungen umzusetzen. Zusätzlich bekommst du einfache und leckere Rezeptideen für dich vorgeschlagen, die deinen Blutzuckerspiegel stabil halten.

Diabetes-App glucura. Person hält Smartphone in der Hand, auf dem die Diabetes-App glucura geöffnet ist.

Fazit

Wann der postprandialen Blutzucker am höchsten ist, ist bei jeder Person individuell, da viele verschiedene Faktoren wie die Zusammensetzung der Mahlzeiten als auch Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, den Zeitpunkt und auch die Höhe des Anstieges beeinflussen. In der Regel erreicht der Blutzuckerspiegel etwa 1 bis 2 Stunden nach einer Mahlzeit seinen Höhepunkt. Der Blutzucker kann mithilfe eines Stichs in den Finger gemessen werden. Alternativ gibt es Glukosesensoren, die am Oberarm angebracht werden und so kontinuierlich den Gewebezucker messen. Mit glucura können wir mit dir gemeinsam herausfinden, welche Mahlzeiten und kleine Lebensstilanpassungen deinen Blutzuckerspiegel stabil halten. Wir geben dir individuelle Alltagstipps und helfen dir mit einfachen und leckeren Rezepten und Bewegungseinheiten nachhaltig deinen Langzeitblutzuckerspiegel und Körpergewicht zu verbessern. Damit du dein Leben genießen kannst. Blutzuckerstabil.

Quellen

  1. Zeevi, D. et al. Personalized Nutrition by Prediction of Glycemic Responses. Cell 163, 1079–1094 (2015).
  2. Skurk, T. et al. Empfehlungen zur Ernährung von Personen mit Typ-2-Diabetes mellitus. Diabetologie und Stoffwechsel 16, S255–S289 (2021).
  3. Vlachos, D., Malisova, S., Lindberg, F. A. & Karaniki, G. Glycemic Index (GI) or Glycemic Load (GL) and Dietary Interventions for Optimizing Postprandial Hyperglycemia in Patients with T2 Diabetes: A Review. Nutrients 12, 1561 (2020).
  4. Shukla, A. P. et al. The impact of food order on postprandial glycaemic excursions in prediabetes. Diabetes Obes Metab 21, 377–381 (2019).
  5. Jovanovic, A., Gerrard, J. & Taylor, R. The Second-Meal Phenomenon in Type 2 Diabetes. Diabetes Care 32, 1199–1201 (2009).
  6. Jovanovic, A. et al. The second-meal phenomenon is associated with enhanced muscle glycogen storage in humans. Clinical Science 117, 119–127 (2009).
  7. Tsereteli, N. et al. Impact of insufficient sleep on dysregulated blood glucose control under standardised meal conditions. Diabetologia 65, 356–365 (2022).
  8. Zamani-Alavijeh, F., Araban, M., Koohestani, H. R. & Karimy, M. The effectiveness of stress management training on blood glucose control in patients with type 2 diabetes. Diabetology & Metabolic Syndrome 10, 39 (2018).
  9. Amanat, S., Ghahri, S., Dianatinasab, A., Fararouei, M. & Dianatinasab, M. Exercise and Type 2 Diabetes. in Physical Exercise for Human Health (ed. Xiao, J.) 91–105 (Springer, 2020). doi:10.1007/978-981-15-1792-1_6.
  10. Hanssen, N. M. J. et al. Postprandial Glucose Spikes, an Important Contributor to Cardiovascular Disease in Diabetes? Frontiers in Cardiovascular Medicine 7, (2020).
  11. Ceriello, A. Postprandial Hyperglycemia and Diabetes Complications: Is It Time to Treat? Diabetes 54, 1–7 (2005).
  12. Jarvis, P. R. E., Cardin, J. L., Nisevich-Bede, P. M. & McCarter, J. P. Continuous glucose monitoring in a healthy population: understanding the post-prandial glycemic response in individuals without diabetes mellitus. Metabolism – Clinical and Experimental 146, (2023).
  13. Woerle, H. J. et al. Impact of fasting and postprandial glycemia on overall glycemic control in type 2 diabetes: Importance of postprandial glycemia to achieve target HbA1c levels. Diabetes Research and Clinical Practice 77, 280–285 (2007).
  14. Informationen zur aktuellen Version. Leitlinien.de https://www.leitlinien.de/themen/diabetes/version-3.
  15. Engeroff, T., Groneberg, D. A. & Wilke, J. After Dinner Rest a While, After Supper Walk a Mile? A Systematic Review with Meta-analysis on the Acute Postprandial Glycemic Response to Exercise Before and After Meal Ingestion in Healthy Subjects and Patients with Impaired Glucose Tolerance. Sports Med 53, 849–869 (2023).
  16. 190516_VDBD_Leitfaden_Glukose_Selbst.pdf.
  17. Blutzucker messen, aber richtig! diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/therapie_bei_diabetes/blutzucker_messen/blutzucker_messen_aber_richtig_ (2011).

Hanna Isbrecht

Hanna studiert Ernährungsmedizin im Master. In ihrer Bachelorarbeit hat sie sich mit den Stoffwechselprodukten von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 beschäftigt. Sport und Ernährung sind ihre Leidenschaft, weshalb sie den Blog als Werkstudentin unterstützt.

Beliebteste Artikel

Neugierig auf glucura? Lass dir von uns alle nötigen Informationen unverbindlich per E-Mail zusenden

Wir verwenden Brevo als unsere Marketing-Plattform. Wenn du das Formular ausfüllst und absendest, bestätigst Du, dass die von dir angegeben Informationen an Brevo zur Bearbeitung gemäß der Nutzungsbedingungen übertragen werden

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner